30.09.2020 – Espelkamp

Nachhaltig und gemeinschaftlich: Wie die Lübbecker Mark genutzt wurde

Historischer Vortrag_Sebastian Schröder

Die Bedeutung der Mark für die Bewohner des Lübbecker Landes hat der Historiker Sebastian Schröder nun in einem Vortrag auf Schloss Benkhausen beleuchtet. „Im Mittelalter sowie der Frühen Neuzeit war die Mark Dreh- und Angelpunkt des ländlichen Wirtschaftswesens. Ihr Stellenwert ist lange Zeit unterschätzt worden“, betonte der Wissenschaftler. Ein besonderes Augenmerk legte er in seinem Vortrag auf die Rolle des Rittergutes Benkhausen und seiner Besitzer. Die Lübbecker Mark lag außerhalb der Stadtmauern und erstreckte sich über weite Teile des Altkreises. Es war ein Gebiet, das die Bürger und Bauern der Mark gemeinschaftlich nutzen durften. Trotzdem beanspruchte der Rat der Stadt Lübbecke die alleinigen Hoheits- und Herrschaftsrechte.

„Die Mark stellte den Menschen zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert nahezu alles an Ressourcen zur Verfügung, was sie für das tägliche Leben brauchten“, erläuterte Sebastian Schröder. Die Menschen schlugen Holz in den Wäldern, mästeten ihre Tiere auf den Wiesen, sammelten Beeren und Früchte oder fingen Fische in den Flüssen. Das Besondere an der Mark war, dass sie sowohl gemeinschaftlich bewirtschaftet als auch nachhaltig genutzt wurde. So musste beispielsweise für jeden gefällten Baum auch ein neuer gepflanzt werden. „Es war ein fein austariertes System, das im Gleichgewicht war. Die Ressourcen wurden nie über Gebühr beansprucht“, so Schröder.

Trotzdem gab es immer wieder Konflikte, die mit der Nutzung der Mark zusammenhingen. Der Adel beanspruchte gewisse Vorrechte und sah keinen Grund, davon abzurücken. So fällte Heinrich von Münch laut Überlieferung einmal 40 Bäume ohne Einwilligung und wurde daraufhin zu einer Strafzahlung verdonnert. Die sogenannten Holzförster wachten darüber, dass alles mit rechten Dingen zuging. Im Zweifel wurden sogar Gerichtsverfahren eingeleitet.

Aber nicht nur zwischen Adel, Bürgern und Bauern gab es immer wieder Konflikte um die Nutzung der Mark. Belegt sind auch Streitigkeiten zwischen Lübbecker und Rahdener Bürgern. Der Zwist drehte sich unter anderem darum, wer seine Schweine im Mittwald mästen durfte. Das Ganze eskalierte, als die Rahdener gegenüber den Lübbeckern gewalttägig wurden. Erst ein Machtwort des Fürstbischofs aus Minden sorgte für Ruhe. Mit der Privatisierung der Mark um 1800 neigte sich ihr Stellenwert dem Ende entgegen. Gleichzeitig wollten immer mehr Bauern die Mark nutzen, sodass die Nutzung der Ressourcen aus dem Gleichgewicht geriet.

Nachhaltig und gemeinschaftlich: Wie die Lübbecker Mark genutzt wurde

Fachmann für lokale Historie: Sebastian Schröder widmet sich der Geschichte des Lübbecker Landes.

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