28.07.2020 – Espelkamp

Stand auf dem Grabhügel früher eine Burg?

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Archäologische Untersuchungen auf Schloss Benkhausen

Schloss Benkhausen ist reich an historischen Fakten – und nun könnte ein weiteres Kapitel hinzukommen: Denn der Erdhügel, in dem sich die Gräber der Familie von dem Bussche Münch befinden, hat möglicherweise eine Vorgeschichte, die deutlich weiter zurückreicht als bislang bekannt. Sollte sich diese Vermutung bestätigen, würden nicht nur die Wurzeln von Schloss Benkhausen älter als 500 Jahre sein, die Ergebnisse wären auch ein wichtiges Zeugnis für die Geschichte des Altkreises Lübbecke, dessen Anfänge im 12. und 13. Jahrhundert weitgehend im Dunkeln liegen.

Um Licht in die Sache zu bringen, wird die LWL-Archäologie für Westfalen den Boden des Grabhügels wissenschaftlich untersuchen und anhand von Proben zeitlich genau bestimmen. Um das Vorgehen zu erörtern, kamen nun unter anderem Angelika Gauselmann und Larissa Mattlage (Schloss Benkhausen), Sylvia Blaha (Gauselmann Gruppe), Dr. Hans-Otto Pollmann (LWL-Archäologie für Westfalen) mit einem Team von Wissenschaftlern sowie Thorsten Blauert (Stadt Espelkamp) am Ort des Geschehens zusammen.

Die archäologischen Arbeiten werden von Unternehmer Paul Gauselmann finanziert, der die Kosten vollständig übernimmt. „Als heimatverbundener Mensch habe ich mich schon immer für die Geschichte unserer Region interessiert. Ich freue mich, wenn die Arbeiten einen Beitrag dazu leisten, nicht nur neue Erkenntnisse über Schloss Benkhausen, sondern möglicherweise auch über die Wurzeln des Altkreises Lübbecke zu liefern“, erklärt Paul Gauselmann. Die Vermutung ist, dass die Historie des Grabhügels rund 800 Jahre zurückreicht – und vielleicht sogar noch weiter.

Den Stein ins Rollen gebracht hat der ehemalige Ortsheimatpfleger Karl-Friedrich Hüsemann, als er über einen Tagebucheintrag von Sophie von Kossecki (geb. von dem Bussche Münch), der Tochter des letzten Schlossherrn von Benkhausen, stolperte. Sie schrieb, dass der Hügel, auf dem ihr Großvater ein Denkmal errichten ließ, früher „ein Hühnengrab“ gewesen sei. „Dieser Eintrag legt nahe, dass es in Zusammenhang mit dem Hügel noch etwas gibt, das vor den bekannten Aufzeichnungen rund um die Familie Bussche Münch und Schloss Benkhausen liegt – und das möchten wir herausfinden“, erläutert Dr. Hans-Otto Pollmann, wissenschaftlicher Referent von der LWL-Archäologie. Dr. Pollmann wird die Arbeiten leiten und die Ergebnisse präsentieren.

Drei Varianten sind denkbar: Sollte es sich tatsächlich um ein Hünengrab handeln, könnten die Wurzeln des Grabhügels sogar bis 3.000 vor Christus zurückreichen. Denn solche aus Findlingen bestehenden Großsteingräber sind in erster Linie aus der Jungsteinzeit bekannt. Es könnte sich aber auch um einen Grabhügel aus der Bronzezeit handeln, der sich eher auf die Zeit um 1.500 v.Chr. datieren ließe. Da ein solcher Platz schon damals in einer feuchten Niederung lag, ist die dritte Möglichkeit am wahrscheinlichsten: dass auf dem Hügel früher eine sogenannte Motte, eine Turmhügelburg, stand.

Motten waren Vorläufer der befestigten Burgen und bestanden meist aus einem hölzernen Turm, der auf einem künstlich angelegten Erdhügel errichtet wurde. Oft waren die Türme von einem Wassergraben umschlossen – und ein solcher Wassergraben verläuft auch um die Grabstätte von Schloss Benkhausen. „Die Lage wäre ideal für eine Turmhügelburg gewesen“, erklärt Dr. Pollmann.

Würden die Untersuchungen tatsächlich auf den Standort einer Turmhügelburg schließen lassen, wäre dies der erste Nachweis für den Altkreis Lübbecke. Schloss Benkhausen hätte nicht nur einen mittelalterlichen Vorgänger gehabt, es wäre auch ein wichtiges historisches Zeugnis für die gesamte Region. „Es sind sehr interessante Untersuchungen, die auch die Anfänge der Region und der Stadt Espelkamp näher beleuchten würden“, erklärt Thorsten Blauert, Fachbereichsleiter Stadtentwicklung, Stadtmarketing und Bauen.

Die archäologischen Arbeiten sind im September geplant. Dann werden verschiedene Bohrungen vorgenommen, um Bodenproben zu entnehmen. Das geschichtete Material wird anschließend von Geo-Archäologen sowie einem Botaniker auf historische Überreste untersucht und von Spezialisten im Labor zeitlich genau bestimmt. „Wir hoffen, die Zusammensetzung des Hügels dadurch einzelnen Epochen zuordnen zu können“, erläutert Dr. Pollmann – und so etwas Licht in die Vorgeschichte des Grabhügels zu bringen.

Stand auf dem Grabhügel früher eine Burg?

Hoffen auf interessante Erkenntnisse: Dr. Hans-Otto Pollmann (vorne) sowie Dr. Frank Schlütz (von links), Sylvia Blaha, Dr. Steffen Schneider, Dr. Marlen Schlöffel, Joachim Theißen, Angelika Gauselmann, Karl-Friedrich Hüsemann, Christina Mende, Thorsten Blauert und Larissa Mattlage.

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